„Das Buch, das ich immer lesen wollte“

Zur Entstehung des „Original-Knigge in modernem Deutsch“

Von Felix Goda

„Der Original-Knigge in modernem Deutsch“ ist entstanden, weil ich dieses Buch selbst lesen wollte. Vor etwa drei Jahren war ich zu einem Business-Knigge-Seminar eingeladen. Aus reinem Interesse besorgte ich mir im Vorfeld den Original-Knigge, „Über den Umgang mit Menschen“  von Adolph Freiherr von Knigge aus dem Jahr 1788. Der Inhalt des Buches gefiel mir von Anfang an – ein zeitloses Werk von einem lebensklugen Mann mit einer immensen Menschenkenntnis.

Dennoch konnte ich das Werk nicht mit Leichtigkeit geniessen. Ich fühlte mich an Texte aus dem 18. Jahrhundert erinnert, die ich in der Schule gelesen hatte. Die Texte waren stets hervorragend, aber heute würde man sie anders formulieren. Lyrik aus dieser Zeit lese ich immer noch gerne. Lyrik ist durch seine Sprache definiert, sie ist nicht änderbar. Der Knigge ist ein Sachbuch, keine Lyrik. Knigge schreibt im „Umgang“ selbst, dass er das Buch leicht verständlich und unterhaltsam formulieren wollte. Diese Absicht Knigges ist durch die Entwicklung der Deutschen Sprache in den 225 Jahren seit Erscheinen des Werkes verloren gegangen. Der über weite Strecken zeitlose Inhalt des Werkes passte für mich nicht mit der Sprache zusammen, in der es geschrieben war.

Vom ersten Lesen des „Umgangs“ bis zu meiner Idee, das Werk einfach in modernes Deutsch zu übertragen, vergingen etwa drei Jahre. Erst veröffentlichte ich im Frühjahr 2015 einen Artikel in einer Studentenzeitschrift. In diesem Artikel schrieb ich darüber, wie die Hinweise Knigges auch im Umgang mit den modernen Internetmedien hilfreich sein können. Dabei zitierte ich Textpassagen aus dem „Umgang“, die ich verständlich fand, musste jedoch diejenigen weglassen, die ich nicht verständlich fand. Knigge benutzte andere Wörter, Redewendungen und Ausdrücke, als man es im Deutschen heute tun würde. Einige Beispiele: Knigge benutzt das Wort „niedrig“, heute würde man eher „böse“ sagen. Knigge sagte „Pinsel“ statt „Dummkopf“, „schlechterdings“ statt „absolut“, „Zweck“ statt „Ziel“, „dienstfertig“ statt „hilfsbereit“,  „Beruf haben“ statt „das Recht/ die Autorität haben“, „endlich“ statt „schliesslich“, und so weiter.

Ende 2015 fragte ich mich: Wie es wäre, wenn Knigge sein Werk heute erst geschrieben hätte? Die Vorstellung gefiel mir. Zur Probe nahm ich mir die ersten Seiten des „Knigge“ vor. Ich stellte mir vor, dass ich mit dem wieder auferstandenen Adolph von Knigge in einem Raum sass und er mir dabei half, das Werk für eine moderne Leserschaft aufzubereiten. Als ich das Ergebnis las war ich erstaunt: Ich las das inhaltlich selbe Buch, aber es klang leicht verständlich und ich konnte es wesentlich schneller erfassen als das Original. Warum sollte es anderen Lesern nicht auch so gehen? Ich entschloss mich, das Projekt anzugehen. Die Arbeit machte mir soviel Freude, dass ich häufig an Wochenenden oder nach Feierabend, sogar manchmal in der Mittagspause, an der Übersetzung arbeitete. Nach weniger als drei Monaten war ich fertig. Das Ergebnis liegt nun in Buchform vor. Das Buch vermarkte ich selbst. Als Wirtschaftswissenschaftler macht mir dieser Aspekt genauso viel Spass wie das Schreiben.

Ich hoffe, dass es euch, lieben Lesern, genauso viel Freude bereitet wie mir, die mehr als 225 Jahre alten Gedanken Knigges in neuem Kleide zu erleben.